Was in diesem Alter bei privater Vorsorge besonders wichtig ist
Ziel ist weniger "maximale Rendite", sondern ein verlässliches Netto-Einkommen über Jahrzehnte, trotz Inflation, Marktkrisen, Steuern und Gesundheitskosten.
Ihre Situation auf einen Blick
Alter
≈ 60 Jahre
Liquides Vermögen
850.000 €
Kinder
6 (≈ 18 EP)
Beruf
Ärztin (Versorgungswerk)
Die 3 größten Hebel: ① KVdR-Status klären (9/10-Regel mit 6 KEZ wahrscheinlich erfüllt) ② Versorgungswerk-Rente beziffern ③ Flexiblen Renteneintritt planen. → Hintergründe im Wissensbereich · → Zur Checkliste
1) Finanzielle Basis absichern
Planen Sie zuerst einen stabilen Sockel: liquide Reserve, realistische Muss-Kosten und eine klare Grenze, wie viel monatlich sicher entnommen werden darf. Erst wenn diese Basis steht, sollte das Komfort-Budget erhöht werden.
2) Ansprüche und Abgaben sauber klären
Dieser Bereich hat oft mehr Einfluss auf Ihr späteres Monatsnetto als kleine Unterschiede bei der Rendite. Ziel ist eine belastbare Netto-Rechnung statt unsicherer Schätzwerte.
Schritt 1: DRV-Kontenklärung abschließen
Kindererziehungszeiten (1997–2008), Teilzeitphasen und sonstige Zeiten vollständig erfassen. Ergebnis: verlässlicher EP-Stand statt grober Schätzung. → DRV eService öffnen
Im Dashboard: DRV-Status und Entgeltpunkte aktualisieren.
Schritt 2: KV-Status verbindlich klären
KVdR, freiwillige GKV oder PKV wirken direkt auf monatliche Abzüge. In der freiwilligen GKV kann die Beitragsbasis breiter sein. → DRV-Broschüre KV im Alter
Im Dashboard: KV-Modus passend auswählen.
Schritt 3: Steuerlogik korrekt einpreisen
Bei Depot-Entnahmen ist nur der Gewinnanteil steuerpflichtig, nicht die komplette Auszahlung. Bei Aktien-ETFs wirkt zusätzlich die Teilfreistellung.
Im Dashboard: Steuerquote auf Rentenzahlungen prüfen.
Schritt 4: Netto-Zielbudget festlegen
Muss, Soll und Wunsch getrennt in heutiger Kaufkraft definieren. So wird klar, welches Niveau robust tragfähig ist und wo Krisenrisiko steigt.
Im Dashboard: Muss/Soll/Wunsch sauber auseinanderhalten.
Schritt 5: Sonderlasten separat führen
Einmalige Ausgaben (z. B. Auto, Renovierung) und laufende Mehrkosten getrennt erfassen. Sonst wirkt der Plan künstlich zu optimistisch.
Im Dashboard: Vorab-Ausgabe und laufende Zusatzkosten eintragen.
Schritt 6: Versorgungswerk-Rente eintragen
Als Ärztin besteht ein Anspruch beim ärztlichen Versorgungswerk. Rentenauskunft anfordern und den geschätzten Netto-Betrag eintragen – das senkt den benötigten Depot-Entzug erheblich. → Versorgungswerke (ABV) · → Mehr erfahren
Im Dashboard: „Sonstige Netto-Rente pro Monat" anpassen.
Schritt 7: Flexiblen Renteneintritt planen
Sie arbeiten bis zur Rente, aber ein Rentenbeginn vor 67 ist möglich. Beachten Sie: Pro Monat vor 67 werden 0,3 % Abschlag auf die DRV-Rente dauerhaft abgezogen (z. B. mit 63: −14,4 %). Die Versorgungswerk-Rente bleibt davon unberührt. → Frührentenabschlag erklärt
Im Dashboard: Rentenstart zwischen 63 und 67 variieren und Auswirkungen vergleichen.
Praxisregel: Erst wenn diese fünf Punkte sauber stehen, lohnt die Feineinstellung der Portfolio-Allokation. Sonst wirken Ergebnisse genauer, als sie in Wirklichkeit sind.
3) Portfolio so aufstellen, dass Auszahlungen stabil bleiben
Sie brauchen eine Struktur, die auch in schwachen Börsenjahren funktioniert. Einfache Aufteilung: Sicherheitsanteil für laufende Ausgaben, Wachstumsanteil für Kaufkraft über viele Jahre.
Sicherheitsbaustein
Liquidität und Anleihen decken die nächste Zeit ab. So vermeiden Sie Verkäufe mit Verlust in Krisenjahren.
Wachstumsbaustein
Breite Aktien-ETFs stabilisieren langfristig die Kaufkraft und helfen, Inflation auszugleichen.
Einfache Krisenregel
Bei starken Kursrückgängen Entnahmen zuerst aus dem Sicherheitsbaustein decken, nicht aus gefallenen Aktienpositionen.
4) Große Ausgaben als Systementscheidung behandeln
Einmalige Ausgaben und laufender Unterhalt verändern die langfristige Tragfähigkeit. Deshalb werden diese in der Analyse separat modelliert und in der Szenarioansicht transparent ausgewiesen.